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Die Methode · Teil IV

Wohin die Steckdosen kommen (und die Leuchten)

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Vierter Beitrag der Serie. Im dritten Teil saßen Steckdosen und Leuchten bereits im Grundriss, und daraus haben wir Stromkreise, Verteiler und Schaltplan abgeleitet. Hier gehen wir einen Schritt zurück: Wie entscheidet man, wohin jede Steckdose und jede Leuchte kommt? Es ist der einzige Schritt der ganzen Arbeit, in dem wirklich entschieden wird. Alles andere wird berechnet.

1. Die Regel legt das Minimum fest, nicht den Ort

Wir gehen von einer einfachen Regel nach Raumtyp aus: fünf Steckdosen in der Küche, drei im Wohnzimmer, zwei im Schlafzimmer, zwei im Bad, je eine in Diele und Abstellraum und auf dem Balkon, dazu eine Deckenleuchte in jedem Raum. Es ist dieselbe Tabelle, aus der sich im dritten Teil die Zahl der Stromkreise ergab, und unter dieses Minimum geht es nicht. In Deutschland legt zudem DIN 18015-2 eine Mindestausstattung je Raum fest, gestaffelt nach Ausstattungswerten; wo eine solche Norm gilt, hat sie Vorrang. Wir unterschreiben keine Pläne in den Ländern, in denen diese Gebäude gebaut werden: Wir wenden die Regel und die Anschlussbedingungen des Netzbetreibers an, Prüfung und Unterschrift bleiben beim verantwortlichen Planer.

Doch die Regel sagt, wie viele Steckdosen, nicht wo. „Zwei Steckdosen im Schlafzimmer“ gilt für ein Schlafzimmer mit neun Quadratmetern ebenso wie für eines mit achtzehn, ob das Bett nun an der kurzen oder an der langen Wand steht. Die Zahl steht fest, der Ort nicht. Und mit dem Ort müssen die Bewohner dreißig Jahre leben.

2. Die Wände sagen, wo es geht — die Möbel, wo es gebraucht wird

Der erste Filter sind die Wände. Eine Steckdose sitzt an einer Wand: nicht auf einem Fenster, nicht auf einer Tür, nicht auf einem dreißig Zentimeter breiten Wandstück, nicht in dem Teil des Bads, den das Wasser erreicht. Aus dem Grundriss, den wir im zweiten Teil gelesen haben, wissen wir, wo in jedem Raum die Wände und Öffnungen liegen. Wir wissen also, wo eine Steckdose hinkann — aber noch nicht, wo sie gebraucht wird.

Der zweite Filter ist die Möblierung, die der Architekt gezeichnet hat. Sie erscheint nicht im Elektroplan, entscheidet aber alles. Das Bett will zwei Steckdosen, eine auf jeder Seite, in Höhe des Nachttischs. Der Esstisch will eine an der nächsten Wand. Die TV-Wand will eine Gruppe. In der Küche will die Arbeitsplatte eine Reihe Steckdosen darüber, und jedes Einbaugerät — Kochfeld, Backofen, Geschirrspüler, Kühlschrank, Dunstabzugshaube — seinen eigenen Anschluss dahinter. (Ein Festanschluss ist ein Anschlusspunkt, an dem ein Gerät ohne Stecker direkt angeschlossen wird.) Das Bad ist anders: Dort gibt es wenige Steckdosen, stattdessen Festanschlüsse — Warmwasserbereiter, Waschmaschine, Lüfter, Elektroheizung —, jeder dort, wo das Gerät steht.

Zusammen geben die beiden Filter jeder Steckdose einen Grund, den man im Plan sieht: diese hier wegen des Nachttischs, jene, weil hier die Arbeitsplatte endet, dieser Anschluss, weil der Warmwasserbereiter direkt dahinter hängt. Das ist der Steckdosenplan in der Abbildung, für eine typische Wohnung dieses Gebäudes. Wände und Möbel stammen vom Architekten, Steckdosen und Anschlüsse ergeben sich daraus. Jedes Symbol trägt die Kennung seines Stromkreises — dieselbe, die im dritten Teil im Verteiler steht.

Steckdosenplan einer typischen Wohnung: Steckdosen und Festanschlüsse nach der Möblierung des Architekten gesetzt, jede mit Stromkreiskennung, Leitungen entlang der Wände
Abbildung 5 — Steckdosenplan einer typischen Wohnung: Steckdosen und Festanschlüsse nach der Möblierung des Architekten gesetzt — beide Bettseiten, Tisch, Arbeitsplatte, Geräte im Bad. Jedes Symbol trägt die Kennung seines Stromkreises.

3. Die Gewohnheiten entscheiden über die Schalter

Für die Beleuchtung ist die Regel einfacher: mindestens eine Deckenleuchte pro Raum, mit der Schutzart, die der Raum verlangt — normale Leuchten in den Zimmern, geschützte im Bad, auf dem Balkon und im Keller. In diesem Gebäude sind es 366.

Entscheidungen verlangen die Schalter. Der Schalter sitzt am Raumeingang auf der Schlossseite, damit die Hand ihn findet, bevor die Tür ganz offen ist. Ein langer Flur wird von beiden Enden geschaltet, mit je einem Wechselschalter; mit Wechselschaltern lässt sich dieselbe Leuchte von zwei Stellen aus ein- und ausschalten. Dasselbe gilt für eine Treppe oder ein Schlafzimmer, in dem man das Licht vom Bett aus löschen möchte. Dieses Gebäude hat 194 Aus- und 72 Wechselschalter. Wie viele Wechselschalter nötig sind, steht in keiner Norm, sondern hängt davon ab, wie man sich in der Wohnung bewegt. Auch das ist Möblierung im weiteren Sinn: nicht die Möbel, sondern die Wege.

Hier der Beleuchtungsplan derselben Wohnung: eine Leuchte pro Raum, der Schalter an der Tür auf der Schlossseite, ein Wechselschalter dort, wo der Raum zwei Zugänge hat.

Beleuchtungsplan derselben Wohnung: eine Deckenleuchte pro Raum, Schalter an den Türen, Wechselschalter bei Räumen mit zwei Zugängen, Leitungen entlang der Wände
Abbildung 6 — Beleuchtungsplan derselben Wohnung: eine Leuchte pro Raum, der Schalter an der Tür auf der Schlossseite, ein Wechselschalter dort, wo der Raum zwei Zugänge hat.

4. Die Leitungen folgen den Wänden

Sitzen Steckdosen und Leuchten, geht vom Wohnungsverteiler am Eingang für jeden Stromkreis eine Leitung ab. Die Leitung nimmt nicht den kürzesten Weg, sondern den kürzesten Weg entlang der Wände. Sie liegt unter Putz in der Wand, bei der Beleuchtung in der Decke. Sie knickt dort ab, wo die Wand abknickt. Von Raum zu Raum wechselt sie in der Installationszone über der Tür, nie diagonal durch den Raum. Im Bad hält sie dieselben Schutzbereiche ein wie die Steckdosen. Jeder Stromkreis hat eine Hauptstrecke entlang der Wand, von der kurze Abzweige zu den einzelnen Steckdosen führen. So gibt es einen Schlitz pro Wand, und jede Steckdose wird mit möglichst wenig Leitung erreicht.

Im Plan wird die Leitung dort gezeichnet, wo sie tatsächlich verläuft: Es ist die rote Linie entlang der Wände in beiden Abbildungen. Das ist wichtig, weil die Länge jeder Strecke gemessen und nicht geschätzt wird — und diese Länge doppelt genutzt wird: für den Nachweis des Spannungsfalls aus dem dritten Teil und für die Leitungsposition im Leistungsverzeichnis im fünften Teil. In der typischen Wohnung aus den Abbildungen kommen die Leitungen auf rund 45 Meter für die Steckdosen und 47 für die Beleuchtung. Im ganzen Gebäude sind es 3.235 und 2.978 Meter.

5. Die Zählung nach Raumtyp

Mit allen drei Filtern — Minimum, Wände und Möblierung — ergibt sich für die achtunddreißig Wohnungen folgende Zählung. Das Minimum der Tabelle ergibt 564 Steckdosen und 250 Leuchten. Die tatsächliche Anordnung ergibt 773 Steckdosen und 359 Festanschlüsse, zusammen 1.132 Punkte, sowie 276 Leuchten. Der Unterschied zeigt sich Raum für Raum.

Wohnzimmer: Minimum 117; gesetzt wurden 319 Steckdosen und Anschlüsse, fast das Dreifache. Der Fernseher, der Tisch und in fünfzehn Wohnungen die zum Wohnzimmer offene Küche mit ihrer Arbeitsplatte.

Schlafzimmer: Minimum 162; gesetzt 323. Beide Bettseiten, der Schreibtisch, das Klimagerät.

Küchen, sofern sie ein eigener Raum sind: Minimum 115; gesetzt 140. Die Reihe über der Arbeitsplatte und die Einbaugeräte.

Bäder: Minimum 120 Steckdosen; gesetzt 70 — dafür 233 Festanschlüsse: Warmwasserbereiter, Waschmaschine, Lüfter, Elektroheizung. Die Regel zählt Steckdosen, die Anordnung macht Anschlüsse daraus. Entscheidend ist die Zahl der Punkte: 303.

Dielen, Abstellräume und Ankleiden bleiben beim Minimum: je eine Steckdose.

Das Minimum sagt, wie viele Steckdosen es mindestens braucht. Die Möblierung sagt, wie viele es wirklich braucht. Zwischen 564 und 1.132 liegt keine Großzügigkeit, sondern der möblierte Grundriss, Raum für Raum gelesen.

6. Der einzige Schritt, in dem entschieden wird

Man sollte es klar sagen. In der ganzen Kette — Grundriss, Stromkreisliste, Übersichtsschaltpläne, Anordnung und Leitungsführung, Leistungsverzeichnis — ist dies der einzige Baustein, in dem eine Entscheidung fällt, die sich nicht aus einem anderen ergibt. Die Zahl der Stromkreise ergibt sich aus der Zählung, der Querschnitt aus der Last, das Leistungsverzeichnis aus der Zeichnung. Die Anordnung nicht: Sie ergibt sich aus der Möblierung, und die Möblierung wählt, wer die Wohnung plant.

Deshalb besteht die Prüfung hier darin, den möblierten Grundriss Raum für Raum zu lesen. Steht das Bett wirklich hier? Ist das die Arbeitsplatte? Hat jede Steckdose ihren Grund direkt daneben? Diese Prüfung übernimmt der verantwortliche Planer. Wir bereiten das Blatt so vor, dass sie auf einen Blick möglich ist: Die Möblierung bleibt unter den Steckdosen sichtbar, und jede Steckdose trägt die Kennung ihres Stromkreises.

Der nächste Teil ist der letzte und handelt vom Leistungsverzeichnis: Die Zählung aus diesem Teil wird zu Mengen und Positionstexten. Und es zeigt sich, dass ein aus der Zeichnung abgeleitetes Leistungsverzeichnis keine Mehrarbeit ist, sondern eine Abfrage an das Modell.

Wie es in der Praxis aussieht

Die Fallstudie zeigt ein reales Wohngebäude von der Grundlage bis zur Unterschrift, mit den DWG-Plänen und dem Leistungsverzeichnis zum Herunterladen. Das erste Projekt bis 5.000 m² ist kostenlos.